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Ulysses und Daedalus Touch … eine Hass-Liebe

Publiziert am von Tobias Opitz

Da ich (trotz latenter Legasthenie) viel mit Texten arbeite ist Autorensoftware ein stetes Thema für mich. Insbesondere Lösungen, die Daten zuverlässig zwischen meinen iDevices und dem Mac synchronisieren stehen bei mir hoch im Kurs.

Bis vor etwa drei Monaten war iA Writer der Editor meiner Wahl. Die App für iPhone, iPad und Mac ist auf das wesentliche reduziert und bietet via Dropbox (von iCloud möchte ich im Zusammenhang mit iA Writer jedem nachdrücklich abraten) einen akzeptablen, wenn auch nicht übermäßig komfortablen Sync.

Verschiedene andere Editoren, wie beispielsweise ByWord oder WriteRoom tauchten nach und nach im App-Universum auf und erhielten ein wenig Aufmerksamkeit. Dennoch blieb ich bei iA Writer. Zu ähnlich waren sich die Apps und Trittbrettfahrer, die keinen wirklichen Mehrwert zur ursprünglichen Idee beisteuern, waren mir ohnehin nie sonderlich sympathisch.

Dann tauchte Daedalus Touch auf und ich ignorierte die App aufgrund der oben genannten Vorurteile zunächst völlig. Erst als auch Ulysses 3 auftauchte wurde ich aufmerksam. Umfangreiche Projekte habe ich bereits zuvor mit der Vorgängerversion umgesetzt, die zwar mächtig, aber auch ausgesprochen unübersichtlich war. Beide Apps waren zu Einführung von Ulysses 3 heruntergesetzt und versprachen durchdachte Integration. Außerdem hatten sich einige von mir geschätzte Blogger (wie beispielsweise Alex Olma vom iPhoneBlog) sehr positiv geäußert. Also dachte ich mir: „Was solls!“ und erwarb beide.

In Deadalus Touch habe ich mich sofort „verliebt“. Die UI gehört mit Sicherheit zum Schönsten, was sich so im iOS-Umfeld herumtreibt. Ein sehr durchdachtes Bedienkonzept macht es zu einer Freude damit zu arbeiten.

Ähnlich ging es mir mit Ulysses 3. Aber vor allem: Der Sync funktionierte problemlos und schnell. Endlich hatte ich meine Texte sauber sortiert und vollständig auf all meinen Geräten. Ohne Einstellungswirrwarr und bisher ohne Datenverlust.

So viel Spaß die Arbeit mit diesem „Dreamteam“ auch macht, beide haben noch einige deutliche Defizite, die dringend verschwinden müssen, will Soulman etwas wirklich außergewöhnliches schaffen:

  • Daedalus Touch: Markdown hat sich zu einer Art Quasi-Standard zur schnellen Arbeit mit Text entwickeln. Zwar kann man in Daedalus Touch damit arbeiten und der Export als PDF oder ePub rendert die Auszeichnungsprache auch korrekt, allerdings ist es unmöglich, seine Text als HTML in die Zwischenablage zu kopieren, um sie beispielweise direkt in ein Blog einzupflegen. Damit ist die App gerade für Blogger eher ungeeignet und bei Ihnen handelt es sich um eine wichtige Zielgruppe.
  • Daedalus Touch: Es wäre schön, eine Art Syntax Highlighting für Markdown zu haben, wie es auch in Ulysses der Fall ist.
  • Daedalus Touch / Ulysses 3: Man wird es kaum für möglich halten, aber ab und zu müssen Dinge ausgedruckt werden. Es ist mir schleierhaft, warum ich aus meinem Text erst einen PDF-Datei machen und in einer anderen App öffnen muss, um ihn Markdown-formatiert ausgeben zu können
  • Daedalus Touch / Ulysses 3: Wenn man zwei Apps schreibt, die dafür geschaffen sind, sich zu ergänzen und perfekt zu synchronisieren, warum sehen dann die erzeugten PDFs derart unterschiedlich aus? Darüber hinaus wäre es schön, die eine oder andere rudimentäre Einstellung zum PDF-Rendering zu haben. Ohne jemandem zu nahe Treten zu wollen, aber die von Daedalus Touch erzeugten Dokumente sind ästhetisch durchaus fragwürdig und die von Ulysses durch fehlende Abstände zwischen den Absätzen nur schwer flüssig lesbar (für das Lektorat quasi unbrauchbar).
  • Daedalus Touch / Ulysses 3: So gut der Sync auch funktioniert, das Konzept hinter dem „Zettel und Stapel“-Aufbau muss auch in Ulysses sauber umgesetzt sein, damit es nicht zu Verwirrungen kommt. Ich brauchte mehrere Anläufe um zu verstehen, dass die Überschrift des Stapels eine Überschrift erster Ordnung darstellt und sowie die Überschriften des einzelnen Zettel der zweiten Ordnung entsprechen. Damit ist es natürlich sinnvoll, innerhalb der Zettel nur Überschriften ab der dritten Ordnung zu verwenden. Dann fehlen den Dokumenten in Ulysses auch nicht mehr die Überschriften und man kann problemlos arbeiten. Das Prinzip wird aber nirgendwo erklärt.

Letztlich zeigt sich eines: Soulman hat großen Wert auf die Integration von Markdown gelegt, konzentriert sich aber zu sehr auf das Erstellen von Büchern und vergisst dabei große Kundengruppen. Dabei sind die oben genannten Features sogenannte „Low hanging Fruits“, die eigentlich mit Leichtigkeit zu integrieren wären. Bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung nicht stillsteht, denn trotz allem hat die Kombination von Daedalus Touch und Ulysses 3 das Potential sich zum Platzhirsch auf seinem Gebiet zu entwickeln.

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2 Antworten auf Ulysses und Daedalus Touch … eine Hass-Liebe

  1. Götz Fabian sagt:

    Das Drucken in Ulysses III sollte eigentlich problemlos funktionieren. Einfach das Druck-Panel öffnen (CMD-P), dann auf „Show Details“ klicken und die Checkbox „Format“ anhaken. Dort kann man auch zwischen drei Schriftarten wählen.
    Die anderen Feature-Requests stehen auch schon mehr oder weniger auf unserer Liste. 😉

    • Tobias Opitz sagt:

      An das Drucken habe ich gar nicht gedacht. Normalerweise sende ich meine Texte immer als PDF ins Lektorat, aber die kann ich ja auch Drucken-Dialog erzeugen 🙂

      Es freut mich sehr, dass ihr das Netz so rege nach Erwähnungen eurer Software durchsucht und auch regiert. Das ist man gar nicht gewohnt. Ein großes Lob dafür.

      Ich bin wirklich gespannt, wie sich Daedalus Touch und Ulysses 3 weiter entwickeln werden … und erwarte Großes 😉

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